Jubelnde Deutsche mindern meine Lebensqualität

grosze bombe - alles kaputt

Der Tag begann äußerst angenehm. Nach mehrstündiger Tanzerei morgends gegen 6 ins Bett gefallen, schön ausgeschlafen, gegen Abend aufgestanden und mit Freunden in einer Studentenkneipe bei Bier und Zigaretten gefrühstückt. Gestört wurde die Idylle lediglich durch eine überdimensionierte Leinwand auf der man ein paar Volldeppen dabei zuschauen konnte wie sie hinter einem Ball herrennen. So ärgerlich das für sich genommen schon ist, so war das Schwarz-Rot-Goldene Rudel VOR der Leinwand das eigentliche Problem. Man hatte sich herausgeputzt, die Schland-Fahne um die Hüfte gebunden, die Flagge auf die Backe gemalt, den Fan-Iro aufgesetzt oder ganz dreist einfach dem mitgebrachten Hund noch ein schwarz-rot-goldenes Bändchen verpasst. Ein weiss-roter Schminkstift war trotz Nachfragen nirgends zu bekommen und so blieb uns nach ein paar wohlplatzierten, ihre Wirkung allerdings verfehlenden Machtrülpsern unter lautem Rumgenöle nur die Flucht vor der pöbelnden Bauernrotte („Eeeeeh, ihr steht im Bild! ICH SEH‘ DE ECKBALL NET!“). In der WG eines Freundes angekommen scheiterte unser Versuch mit einer guten Fahne und guter Musik eine Gegen-Balkonparty zur Hebung der eigenen Laune an den Start zu bringen an der menschenleeren Straße und dem damit ausfallenden Komm-wir-ärgern-die-Opfer-Faktor. Zeitlich wunderbar organisiert verließen wir die WG bevor das Spiel zu Ende war und liefen durch leergefegte Straßen gen Heimat, unterwegs plötzlich ein gewaltiges Raunen und Brüllen dass sich durch die ganze Stadt zog, es muss wohl noch ein Tor gefallen sein. In der Wohnung angekommen legten wir uns aufs perfekt positionierte Bett, rauchten und schauten Southpark während wir beide Fenster aufrissen – das Zimmer glich einer Sauna. Während der ersten Folge (Cartman war gerade dabei seine Mitschüler mit einem Rohrstock zu züchtigen!) brach unten auf der Straße das Chaos los: Zwei Stunden andauerndes Gehupe von beflaggten Autokorsos und besoffene Hurensöhne die DEUTSCHLAND, DEUTSCHLAND-brüllend durch die Straßen fielen. Laut fluchend stellten wir fest, dass wir das Fenster nicht schließen konnten ohne den Hitzetod zu sterben, sahen uns genötigt die Anlage enorm laut zu stellen um der Serie halbwegs folgen zu können und genossen noch einige Southparkfolgen mit Hupkonzert und Affengeschrei als Hintergrundmusik.

Lieber Gott, bitte lass‘ die das Turnier nicht gewinnen, die spinnen doch.


2 Antworten auf “Jubelnde Deutsche mindern meine Lebensqualität”


  1. 1 E.G. 12. Juni 2008 um 0:14 Uhr

    Jaja beim (Anti-) Fußball werden selbst die Atheisten wieder gläubig! Aber das Turnier gewinnen sie eh nicht, der Weltgeist trägt orange.

    Oranje – oohohoh! Oranje – oohhohh!

  2. 2 knumpe 16. Juni 2008 um 16:42 Uhr

    Sei froh, dass die hier nicht so feiern wie im nahen Osten, da wird schonmal mit dem Sturmgewehr in die Luft geschossen.

    Stell dir mal vor, wie das die Lebensqualität mindern würde.

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