Von Tofuwurst und Holzspielzeug

Es war einmal in Frankfurt, eine durchaus interessante Veranstaltung ansprechenden Themas anlässlich des runden Geburtstages von Buddy Israel war angekündigt worden. Ich begab mich ins Café KoZ nachdem ich verwirrt und orientierungslos vom Bahnhof in die U4 gefallen und zuerst fälschlicherweise das IVI angesteuert hatte. Anstatt mich über meine Verspätung und die Tatsache, dass ich mehr als die Hälfte der Veranstaltung bereits verpasst hatte aufregen zu müssen bekam ich fünf Minuten nach meinem Eintreffen direkt gar köstliches geboten. Im Vorfeld hatten Menschen die sich selbst als Linke bezeichnen würden angekündigt, gegen besagte Veranstaltung vorzugehen, weil eine/r der Ihren vor nicht allzulanger Zeit aufgrund eines hässlichen Arafat-Lappens gebeten wurde die Räumlichkeiten des IVI zu verlassen damit denkende Menschen nicht durch ihre regressiv-penetrante, nach außen gekehrte Antimoderne Aura belästigt werden. Gleichzeitig hat der ASTA der Uni Frankfurt laut Veranstalterkreisen den Organisierenden Gruppen das Hausrecht entzogen und damit verhindert, dass eventuell aufkreuzende Störenfriede des Raumes verwiesen werden können. Dank der freundlichen Unterstützung der Studentenvertretung konnte der geneigte Zuschauer dann auch ein brilliant inszeniertes Meisterwerk des zeitgenössischen Bauerntheaters der Laienschauspielergruppe ‚Dumm und Deutsch‘ live und in Farbe miterleben. Bevor die zehn bis 15 angereisten Baumhippies mit ihrer Kür begannen, wurde noch ein Flyer unters Volk gebracht. Nach kurzem Überfliegen eben jenes wird klar, dass die Protagonisten als herumhampelnde Pausenclowns wohl zu gebrauchen sind, sie jedoch in Zukunft die Finger von modernen Dingen wie Computern oder Schreibmaschinen lassen und sich nur Verbal durch Grunzlaute und Furzgeräusche artikulieren sollten: Die wahllos aneinandergereihten Worte auf dem verschwendeten Papier werden lose zusammengehalten von entweder ‚Kriegstreiberei‘, ‚Rassismus‘ oder ‚Grünkernbratlinge‘ – wobei jedes der Worte nicht weniger als zweimal in jedem Satz vorkommen darf. Anstatt, wie bei einer Podiumsveranstaltung üblich, erst nach Ende der Vorträge der eigenen Dummheit durch blöde Kommentare und von Ignoranz getriebener Unwissenheit Ausdruck zu verleihen begannen die vermutlich aus einer Agrar-Anarchistischen Vogelsberg-Kommune kommenden Bauern schon während der Veranstaltung zu pöbeln. Nachdem sie im Verlauf des Abends diverse Infantile Fragen von zunehmend unleidiger werdenden Rednern beantwortet bekommen hatten wurde der Unmut innerhalb des Intelligenten Teils der Zuhörerschaft greifbar als eine Frage deren Antwort man zu verstehen offensichtlich nicht im Stande waren zum Dritten mal vorgebracht wurde. Es kam zu einer kleinen Rangelei, ein bisschen Rumgebrülle und dem Abgesang: Die ‚Schurken ohne Staat‘ schmetterten tatsächlich ‚Hoch die Internationale Solidarität‘ während sie ihre Holzschuhe und Sackhosen gen Ausgang manövrierten. Ein großartiges Spektakel mit hohem Fremdschäm-Faktor, welches bei der anschließenden, großartigen IVI-Party noch für lautes Gelächter und spontane Imitationen sorgte. Ein mit absoluter Konsequenz gesetzter Schlusspunkt – ihr seid die coolsten Säue seit Matt Damon und dem Typen hier.


3 Antworten auf “Von Tofuwurst und Holzspielzeug”


  1. 1 dissidenz.olifani.de » deutsche normalitätseuphorie (3) Pingback am 16. Mai 2008 um 12:27 Uhr
  2. 2 Gesammeltes #12 « riot propaganda Pingback am 20. Mai 2008 um 16:59 Uhr
  3. 3 Fremde Federn | Another line of defense Pingback am 22. Mai 2008 um 2:50 Uhr
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